Tierschutz in Leipzig
Station 1: Wildblumen- und Langgraswiese im Johannapark
An dieser Station sehen wir eine artenreiche Wiese, die über längere Zeit ungemäht bleibt und somit Insekten und Kleinsäugern als Nahrungsquelle und Lebensraum zur Verfügung steht. Wildbienen und andere Bestäuber sind unverzichtbar für unser Ökosystem. Der Rückgang ihrer Population hat dramatische Folgen – mit solchen Projekten kann jeder zum Artenschutz beitragen. Unsere Fraktion konnte 2021 mit dem erfolgreich vom Stadtrat beschlossenen Antrag „Blühwiesen statt Steppenlandschaft“ den Weg zu immer mehr Blüh- und Langgraswiesen ebnen.
Station 2: Clarapark – Lebensraum mitten in der Stadt
Grüne Flächen in Städten sind nicht nur Erholungsorte für Menschen, sondern auch Rückzugsräume für viele Tiere: Vögel, Igel, Eichhörnchen oder Insekten finden hier Nahrung und Unterschlupf. Tierschutz beginnt schon hier – z. B. durch weniger Laubblasen und mehr naturnahe Gestaltung. Über das Parkkonzept zum Clara- und Johannapark konnten wir bereits 2017 erreichen, dass in sensiblen und artenschutzreichen Räumen der Parks zum Schutz von Kleinsäugern keine Laubsauger, Tellersensen und Kantenschneider verwendet werden dürfen. Das Laub wird in diesen besonders ausgewiesenen Bereichen nicht mehr entfernt.
Station 3: Fischtreppe an der Connewitzer Schleuse
Direkt an der Connewitzer Schleuse befindet sich eine Fischtreppe, die Fischen ermöglicht, das Höhengefälle des Wehres zu überwinden. Gleichzeitig dient die Rinne als Kanurutsche, sodass sowohl wandernde Fische frei ihre Laichgründe erreichen als auch Paddler*innen das Hindernis sicher passieren können. Diese Kombination schützt die Artenvielfalt der Flusslebewesen und ist ein gutes Beispiel für naturnahe Gewässergestaltung in Leipzig.
Station 4: Leipziger Auwald
Im Leipziger Auwald leben viele heimische Tiere: Rehe, Füchse, Dachse, aber auch bedrohte Arten wie Fledermäuse. Der Wald ist nicht nur ein Ort der Erholung, sondern auch ein empfindliches Ökosystem, das Rücksicht braucht – leise Wege, keine Abfälle, kein Verlassen der Pfade.
Vor einigen Jahren hat der Leipziger Stadtrat auf Initiative der bündnisgrünen Fraktion deshalb ein Auwald-Ranger-Konzept beauftragt, in dessen Folge zwei hauptamtliche Ranger vom Stadtforst eingestellt und seitdem wirksam sind. Sie sind regelmäßig mit offenen Augen und Ohren im Auwald unterwegs, stehen für Rat und Tat zur Verfügung.
Station 5: Wildpark Leipzig – Begegnung mit Wild- und Haustieren
Im Wildpark Leipzig begegnen wir Tieren, die in unseren heimischen Wäldern leben – darunter Wildschweine, Hirsche, Füchse oder Luchse. Viele dieser Arten sind auf intakte Lebensräume angewiesen, die durch Zersiedelung und Umweltverschmutzung bedroht sind.
In der Haustierstation erleben wir zusätzlich artgerecht gehaltene Nutztiere wie Ziegen, Schafe, Kaninchen oder Hühner. Diese Station zeigt anschaulich den Unterschied zwischen traditioneller Tierhaltung und industrieller Massentierhaltung.
Unsere Fraktion setzt sich hier im Wildpark aktiv für artgerechte Haltung ein. Dafür soll etwa das Elchgehege, in dem derzeit Wapitis leben, grundlegend saniert werden, um dann wieder Elchen eine Heimat zu bieten. Hier freuen wir uns auf die Umsetzung in den kommenden Jahren.
Ein Besuch im Wildpark macht deutlich: Tierschutz heißt nicht nur, Tiere zu retten – sondern auch, ihre Lebensbedingungen aktiv mitzugestalten.
Station 6: Schulbauernhof oder Tierpädagogischer Hof – der Steinhanshof in Großzschocher
Der Steinhanshof wurde April 2021 gegründet und ist ein kleiner gemeinnütziger Verein in Leipzig nahe des Cospudener Sees. Hier erfahren Besucher*innen, wie artgerechte Tierhaltung aussieht. Kinder und Jugendliche lernen, Tiere als fühlende Lebewesen zu respektieren. Die Tiere werden dort als Freunde und Lehrer gesehen, um Empathie und respektvollen Umgang zu fördern. Denn ein bewusster Umgang mit Tieren beginnt mit Bildung und Nähe zur Natur. Die Herde steht in einem Offenstall und ist bunt gemischt. Es gibt sehr große und sehr kleine Pferde, Schulpferde und welche, die nicht reitbar sind. Es gibt Alte und Junge, Fleißige und jene, die lieber den ganzen Tag fressen. Der Pferde-Ponyhof steht damit für eine artgerechte Haltung und verfolgt einen pädagogischen Ansatz. Den Pferden wird mit Respekt, Vertrauen und Mitgefühl begegnet und auf dem Hof dürfen auch Rentner und kranke Pferde würdevoll bis zum Ende bleiben.
Station 7: Naturschutzgebiet / Streuobstwiese
Direkt neben dem Steinhanshof besuchen wir ein geschütztes Gebiet. Hier sehen wir, wie Vielfalt entsteht, wenn der Mensch bewusst weniger eingreift. Streuobstwiesen etwa bieten über 5.000 Tierarten ein Zuhause. Unser Handeln entscheidet, ob solche Orte erhalten bleiben.
Station 8: Schönauer Lachen
Die Schönauer Lachen sind ein Flächennaturdenkmal und wertvolles Feuchtgebiet im Leipziger Westen und zeichnet sich durch seine Mosaikstruktur aus Gewässern, Sumpfflächen, Wiesen und Wäldern aus. Hier finden viele geschützte und teils seltene Arten Zuflucht, darunter Amphibien wie Frösche und Kröten, verschiedene Wasservögel sowie zahlreiche Insekten, darunter auch bedrohte Schmetterlings- und Libellenarten. Auch Fledermäuse profitieren von der Insektenvielfalt und der naturnahen Struktur der Schönauer Lachen. Für den Tierschutz sind solche Flächen essenziell, da sie wichtige Rückzugs-, Brut- und Nahrungsplätze bieten. Doch das Gebiet ist auch bedroht: Eingriffe durch Bebauung am Rand, Freizeitdruck, Verschmutzung und der Klimawandel mit zunehmender Trockenheit gefährden die fragile Lebensgemeinschaft. Für den aktiven Tierschutz gilt – Erhalt, Pflege und ökologische Bewirtschaftung der Schönauer Lachen haben höchste Priorität. Das schließt auch Öffentlichkeitsarbeit und Umweltbildung ein, um das Bewusstsein für den Wert und die Schutzbedürftigkeit solcher städtischen Oasen zu stärken. Der nachhaltige Schutz und die behutsame Pflege der Schönauer Lachen sind daher besonders wichtig, um die Artenvielfalt langfristig zu sichern.
Station 9: Urban Gardening / Gemeinschaftsgarten Hildegarten am Plagwitzer Bürgerbahnhof
Hier wachsen nicht nur Kräuter und Gemüse – auch Igel und Bienen fühlen sich wohl. Diese kleinen grünen Inseln zeigen, wie Städte lebendig, essbar und tierfreundlich sein können. Tierschutz geht auch durch den Magen: weniger Fleisch, mehr Bio, mehr Bewusstsein.
Station 10: Leipziger Auensee - ein fragiles Ökosystem
Der 12ha messende Auensee, stellt zwar ein beliebtes Ausflugsziel dar, leidet aber seit Jahrzehnten unter einer immer wieder aufkommenden Blaualgenproblematik. Der Auensee ist ein hoch polytropher See, der selbst keinen Zu- und Abfluss hat und ausschließlich durch stark nährstoffbelastetes Grundwasser gespeist wird.
Wenn im Sommer höhere Temperaturen herrschen und nur wenig Frischwasser zugeführt wird, kann es passieren, dass der Sauerstoffgehalt im Wasser drastisch sinkt. Fische – besonders empfindliche Arten und große Altbestände – leiden dann unter akutem Sauerstoffmangel. Bei ungünstigen Wetterlagen oder weiteren Belastungen wie Nährstoffeinträgen, entsteht so eine kritische Situation, die regelmäßig zu großen Verlusten an Tierleben führt. Für die betroffenen Fische bedeutet das großes Leiden, denn das Ersticken bzw. der Sauerstoffmangel erstreckt sich oft über Stunden.
Neben Fischen betroffen sind auch zahlreiche andere Tiere am und im Gewässer: Insekten, Wasservögel und Kleinsäuger verlieren eine wichtige Nahrungsgrundlage und das ökologische Gleichgewicht gerät aus dem Lot. Wiederholtes Fischsterben weist auf grundsätzliche Defizite in der Wasserbewirtschaftung und fehlende Schutzmaßnahmen hin.
Aus Sicht des Tierschutzes sollte dem entgegengesteuert werden – etwa durch nachhaltiges Management (z.B. bessere Frischwasserzufuhr, Reduktion von Nährstoffeinträgen, technische Belüftung im Hochsommer). Nur so kann das Gewässer wieder zu einem artenreichen und tierschutzgerechten Lebensraum entwickelt werden. Maßnahmen, die auf langfristige Verbesserung der Wasserqualität und die Vermeidung von Fischsterben zielen, sind für ein funktionierendes städtisches Ökosystem und den Erhalt von Biodiversität unverzichtbar. Die bündnisgrüne Fraktion hat sich immer wieder dafür eingesetzt, dass der Zustand des Sees durch zusätzlichen Sauerstoffeintrag verbessert wird. Seit Frühjahr 2012 kommen drei Tiefenwasserbelüftungsanlagen (TIBEAN) zum Einsatz, mit deren Hilfe dem See Sauerstoff zugeführt wird. Die grundsätzliche Problematik der hohen Schlammmengen im See kann damit allein aber nicht gelöst werden.
Station 11: Tierheim des Ersten Leipziger Tierschutzvereins
In Breitenfeld am nördlichen Rand Leipzigs ist das Leipziger Tierheim. Es steht für aktiven Tierschutz und setzt sich für das Wohl in Not geratener Tiere ein. Hier finden herrenlose, abgegebene oder verletzte Tiere einen sicheren Zufluchtsort und liebevolle Versorgung durch ein erfahrenes Team. Neben der medizinischen Betreuung und artgerechten Unterbringung legt das Tierheim großen Wert auf die Vermittlung in verantwortungsvolle Hände. Viele Informations- und Aufklärungsangebote sensibilisieren Besucher für den respektvollen Umgang mit Tieren und fördern langfristig ein besseres Miteinander von Mensch und Tier. Das Tierheim leistet damit einen wertvollen Beitrag für den Tierschutz in Leipzig und darüber hinaus.
Station 12: NABU-Naturschutzstation - Wildvogelhilfe
Die Wildvogelhilfe des NABU-Regionalverband Leipzig e.V. ist eine ehrenamtlich betriebene Einrichtung, die sich der Unterstützung und Pflege hilfsbedürftiger Wildvögel widmet. Gegründet wurde die Wildvogelhilfe 2013 und betreibt eine Pflegestation, in der verletzte oder verwaiste Vögel versorgt werden, bis sie wieder ausgewildert werden können. Neben der direkten Pflege verfolgt die Wildvogelhilfe das Ziel, Ursachen für Vogelnotfälle zu erforschen und gegenzusteuern, etwa durch Beratung und Aufklärung der Bevölkerung. So soll die Zahl der Notfälle durch geeignete Maßnahmen verringert werden. Die Versorgung der Vögel erfolgt überwiegend mit Insekten, die für die Aufzucht teils sehr kostspielig sind. Die Arbeit wird ausschließlich ehrenamtlich und spendenfinanziert geleistet. Die Wildvogelhilfe bittet Tierfreunde um Besonnenheit: Nicht jeder gefundene Jungvogel braucht Hilfe; oft kümmern sich die Eltern selbst. Im Zweifel stehen die Fachleute der Wildvogelhilfe mit Rat und Tat zur Seite. Die Station kann gleichzeitig maximal etwa 20 Vögel pflegen, was die Kapazität begrenzt.
Die Arbeit der Wildvogelhilfe ist ein wichtiger Beitrag zum Schutz der Wildvögel in der Stadt Leipzig, die durch zunehmenden Lebensraumverlust und Gefahren durch den Straßenverkehr oft in Bedrängnis geraten. Unsere bündnisgrüne Fraktion hat sich bislang leider erfolglos für eine institutionelle Förderung der Wildvogelhilfe, die gänzlich auf Spenden angewiesen ist, engagiert.
Station 12: Nistkästen & Vogelbeobachtung – Vogelschutzgebiet Schillerhain
Willkommen am Schillerhain, einem versteckten Naturjuwel im Leipziger Stadtteil Gohlis! Der Schillerhain ist nicht nur historisch bedeutsam, sondern auch ökologisch wertvoll als Vogelschutzgebiet und Rückzugsort für viele Tier- und Pflanzenarten. Der Schillerhain liegt eingebettet zwischen Wohngebiet und alten Villen und bietet eine grüne Oase inmitten der Stadt. Kaum bekannt, ist er Heimat zahlreicher Singvögel, die hier ideale Bedingungen für Brut und Nahrung finden. Besonders im Frühling ist das vielstimmige Zwitschern im Gebüsch und in den Bäumen zu hören. Für Naturfreunde lohnt es sich, Fernglas und Bestimmungsbuch mitzunehmen – mit Glück lassen sich Meisen, Buchfinken und sogar seltenere Arten wie Gartenrotschwanz oder Grünspecht beobachten. Der alte Baumbestand mit Eichen, Linden und Kastanien spendet Schatten und sorgt für ein angenehmes Mikroklima. Totholz und naturbelassene Bereiche sind wichtige Lebensräume für Insekten und Vögel. Informationstafeln am Rand des Geländes klären über die Geschichte des Parks und seine Bedeutung für das städtische Ökosystem auf. Die Wiesen und offenen Stellen sind ein wichtiger Nahrungsraum für Insekten und Kleinsäuger, was wiederum die Vogelwelt bereichert. Der Schillerhain ist nicht nur ein Ort der stillen Erholung, sondern auch ein Beispiel dafür, wie innerstädtische Grünflächen als Lebensräume und Rückzugsorte für Wildtiere dienen können.
Tipp: Ein Rundgang am frühen Morgen oder späten Nachmittag lohnt besonders – dann sind die Vögel aktiv und mit etwas Geduld lassen sich viele Beobachtungen machen.
Station 14: Taubenschlag – Lebensraum mitten in der Stadt
Einst als Haustier oder Brieftaube domestiziert, lebt die Stadttaube heute unter widrigen Umständen, findet kein artgerechtes Futter, kaum Brutplätze und erleidet oft schwere Verletzungen. Darauf gezüchtet, mehrmals im Jahr zu brüten, vermehren sich Stadttauben unentwegt. Um die Situation tiergerecht und nachhaltig für das Stadtbild zu verbessern, fordern wir als Bündnisgrüne Fraktion zwei betreute Taubenschläge nach dem „Augsburger Modell“ als Pilotprojekt, vorzugsweise am Lindenauer Markt und in der Leipziger Innenstadt. Dabei würden Eier durch Attrappen getauscht, sodass sie sich weniger vermehren. Außerdem werden die Tiere so artgerecht gefüttert und medizinisch versorgt, verbringen mehr Zeit im Taubenschlag verbringen und erfahren weniger Leid. Leider ignoriert die Stadtverwaltung aktuelle Rechtsgutachten und verweigert die Übernahme von Verantwortung, wodurch Verbesserungen für Tiere und Menschen verhindert werden. Einen Taubenschlag, der humane Populationskontrolle bietet, gibt es in Leipzig bereits: Die Stadttaubenhilfe e.V. betreut am Bayerischen Bahnhof einen Taubenschlag der Deutschen Bahn.
Anschließend kehren wir wieder in den Johannapark zurück und beenden die Rundreise zum Tierschutz in Leipzig.